Mittwoch, 6. November 2013

Sprechen muss Spass machen, Spracherwerb bei Kindern mit Down Syndrom.


Ja, Ja, die Sprache. Bevor ihr weiterlest, möchte ich euch wissen lassen, dass Antonio noch nicht fließend spricht. Dennoch hat er angefangen seine Sätze besser zu strukturieren und denkt kurz nach bevor er los prasselt

Hier ein paar Tipps:
1. Von Minute Null, mit dem Kind sprechen, keine Babysprache nutzen.
 

2. Kontinuierlich sprechen (im Babyalter) und auf alles aufmerksam machen und erklären, was, wozu, warum etc..
 

3. Jede Gelegenheit wird genutzt, um mit dem Kind zu sprechen und in der Anfangsphase selbst Fragen stellen und beantworten.
 

4. Offene Fragen stellen, die das Kind zum Nachdenken anregen. Und die ja/nein Fragen vermeiden.
 

5. Nicht auf einzelne Wörter oder Zeichensprache eingehen: Kind sagt:“WASSER”  Eltern: Was Wasser ??? Wozu Zum Duschen ? Zum Blumen giessen? Es ist wichtig, dass das Kind den Versuch startet zu sagen, “Wasser zum Trinken, bitte” natürlich wenn notwendig ist den Satz vorsprechen, damit das Kind nachspricht. Erst dann dem Kind Wasser geben. ( dies ist ein Beispiel für viele Situationen)
 

6. Wir nutzten das Lesen als Strategie zum Spracherwerb.
Lesen ist überall, wir lesen zahlen, wir lesen Schilder, lesen Verpackungen, das Lesen limitiert sich nicht nur auf Kärtchen oder Bücher und ist auch nicht räumlich und zeitlich limitiert. Die Sprache umgibt uns, und so auch die vielfältigen Möglichkeiten zu lesen. Wir nutzten unterschiedliche Hilfsmittel.

 
6.1 Fotografien:
-Wir nutzten selbstgemachte Fotografien, es gibt nichts besseres als die eigene Familie und sich selbst auf dem Foto zu sehen. Wir beschreiben gemeinsam, was wir auf den Fotos sehen und je nach Sprachniveau des Kindes können direkte offene Fragen gestellt werden. Nie Ja/ Nein Fragen stellen.

-Mit den Fotos zeigen wir unseren Kindern den Ablauf einer Situation. ( z.B: Duschen, Essen, Anziehen, (vor, während und danach), etc.)
  
-Nutzen die Fotos vergangener Situationen (Geburtstage, Ausflug, Urlaub, etc.), um das Erinnerungsvermögen zu steigern.

Schlafzimmer - Papa und Mama
-Fotos von Objekten, die eure Kinder kennen (Objekte im eigenem Haus, eigener Wohnung, Garten, Spieplatz, KiKa, Schule, etc.) Wenn die Kinder die Objekte auf den Fotos wiedererkennen, freuen sie sich riesig und werden umso starker versuchen sich mitzuteilen.


6.2 Etikettierung “aller” Objekte zu Hause. Kleiderschrank, Schublade, Lampe, Kühlschrank etc. Dies animiert die Kinder die Schilder zu lesen,und bekommen gleichzeitig eine reelle Repräsentanz der Dinge, die sie lesen. Ein Kleiderschrank ist nun mal größer als ein Apfel, dies sieht man nicht auf den Kärtchen.
 
Kleiderschrank


Schublade Unterhose, Schublade Antoni, Schublade Alexander














6.3 Eigene Bilderbücher erstellen. 5-10 Fotos je nach Alter des Kindes einer Situation ausdrucken. Gemeinsam ausschneiden, und das Kind die Bilder beschreiben lassen. Dieser Satz wird unter dem Bild geschrieben. Ein Titel für das Buch gemeinsam definieren und alle Fotos zusammentackern.

Antonio beim Reiten




 






















7. Nutzt, die Dinge aus, die euer Kind LEIDENSCHAFTLICH mag und macht die Punkte 1 und 3.

8. Provoziert Situationen, macht eure Kinder auf neue interessante Sachen aufmerksam.

So bis hier ist gut, ich hoffe es ist verständlich und hilft euch weiter. Wenn mir noch etwas einfallen sollte werde ich den Post einfach aktualisieren.

Wir Eltern müssen von Anfang an mit unseren Kindern richtig sprechen, wir dürfen und sollten Babysprache vermeiden. Wenn es sein muss, müssen wir der Familie, den Freunden und Bekannten sagen, das sie unser  Kind genauso ansprechen sollen, wie sie die Geschwister ansprechen, und bei Einzelkindern keine Babysprache zu nutzen.
 

Es ist wichtig das Kind bei der Formulierung der Sätze zu unterstützen.
 

Unsere aktive Teilnahme ist wichtig, vergesst bitte nicht, dass Kinder mit DS nicht so spontan lernen, wie andere Kinder und wir hier nachhelfen müssen.

Was ist an dieser Art besonders?  
Die gesamte Familie nimmt Teil, wir geben Antonio nicht das Gefühl “besonders” zu sein, Alexander macht auch seine eigenen Bilderbücher. Alexander kann an allem teilnehmen, was wir tun. Wir als Familie stehen im Mittelpunkt, wir als Familie lernen gemeinsam, wir therapieren und geben Antonio auch nicht das Gefühl "besonders" zu sein.

Kommentare:

Friederike Escher-Göbel hat gesagt…

Das ist eine sehr gute Beschreibung! Danke!

Alexander Koch hat gesagt…

Danke für deinen Besuch auf der Seite!! :-)